Im Fluss sein
Ausstellungskonzept, audiovisuelle Installation, Zine
gemeinsam mit Nina M. W. Queissner und Jochen Wagner,
Im Fluss sein, 2026
audiovisuelle Installation
(Klang, Bioplastik-Häute, Treibholz, Bausprieße, Seegras-Ballen)
Recherche-Raum, 2026
mit Fotografien & Scans (Jochen Wagner), SWR-Beitrag Donauversickerung, Poster des digitalen Skizzenbuchs (Linda Weiß), Zine Im Fluss sein, Funde aus der Donauversickerung & Materialproben
Zine Im Fluss sein, 2026
gemeinsam mit Sonja M. Borstner, Trang Nguyen, Nina M. W. Queissner, Florian D. Schneider, Jochen Wagner und vielen Dank an Dženeta Hodžić und Achim Lehmkuhl, inkl. Perspektive eines Flusskrebses in der versinkenden Strömung (Nina M. W. Queissner)
„Im Fluss sein“ bedeutet laut Duden, „in Bewegung, in der Entwicklung, noch nicht endgültig geklärt und abgeschlossen zu sein“. In Anlehnung an den Ausstellungstitel zeigen die Künstler*innen Linda Weiß, Nina M. W. Queissner und Jochen Wagner in der Galerie Altes Rathaus Musberg eine gleichnamige installative Arbeit, die sich diesem fluiden Zustand körperlich und räumlich annähert. Ihre kollaborative Video- und Soundinstallation Im Fluss sein (2026) ist eine künstlerische Dokumentation mehrerer gemeinsamer Spaziergänge der Künstler*innen durch die Donauversickerung nahe Immendingen zwischen dem Schwarzwald und der Schwäbischen Alb. Als Naturphänomen, bei dem die Donau im verkarsteten Kalkstein versickert und zeitweise vollständig verschwindet, ist die Donauversickerung stark von klimatischen Veränderungen betroffen. Für die Künstler*innen wird sie damit zum Ausgangspunkt, um sich durch das gemeinsame Gehen mit ökologischen und geopolitischen Fragen auseinanderzusetzen:
Wie verändert sich unsere Wahrnehmung von Gegenwart und Zukunft, wenn wir Landschaft nicht aus Distanz betrachten, sondern uns durch sie hindurch bewegen? Und welche gesellschaftlichen Fragen werden sichtbar, wenn sich der Fokus auf den Boden richtet, der uns trägt?
Mit mobilen Kameras an ihren Fußgelenken bewegen sich die Künstler*innen in Im Fluss sein entlang des Flussverlaufs und dokumentieren ihre Schritte – durch poröse Zonen, Wasser, Gestein und Höhlen. Aus der sogenannten Froschperspektive überlassen sie in dieser performativen Aktion ihren Fü.en, und damit ihren Körpern das Sichten des Untergrunds. Mithilfe von Hydrophonen, die vom Körper ab und in die Donau hineinsanken, hielten die Künstler*innen neben den Bewegtbildern atmosphärische und akustische Eindrücke der Umgebung fest, die sich nun in einer im Ausstellungsraum hörbaren Klanglandschaft mit gesprochenen Notizen vermischen. …
Text: Sonja M. Borstner
Im Fluss sein, 2026, Leinfelden-Echterdingen
… Wir sehnen uns danach, diese Trennung überwinden zu können, mit dem Fluss in Dialog zu treten, … ihm etwas mitzuteilen. Doch während der Fluss uns so vieles gibt – Inspiration, Bilder, Material – bleibt er selbst unbeeindruckt. Wie kann da eine Beziehung entstehen, etwas Gegenseitiges und Mehr-als-Menschliches? Was bekommt der Fluss von uns in einer Währung, die für ihn irgendeine Bedeutung hat?
Die Donau fließt dahin. Es ist ihr gleichgültig, wer sie betrachtet und ihr einen Namen gibt. Es ist ihr gleichgültig, wo sie entspringt. Regentropfen fallen und fließen abwärts. Sie tun sich zusammen, fließen gemeinsam, strömen wieder auseinander. Sie verdunsten, versickern. Manche landen im Schwarzen Meer. Wen kümmert‘s?
Und doch dreht sich unser Austausch um diese bestimmte Stelle an der Donau. Wir diskutieren die Eindrücke, die wir mitnehmen. Der Besuch an der Donauversickerung ist ganz anders als eine zielstrebige Wanderung zum Berggipfel. Es ist ein Mäandern und Sammeln. Ein Aufreihen von Fundstücken zu einer Perlenkette. Das Spazieren am Fluss braucht Zeit und Geduld. Es dient dem Kennenlernen: Immer wieder präsentieren sich andere Blickwinkel, verändern sich Details im Zeitverlauf.
Text: Florian D. Schneider
To walk through a landscape, to breathe its air and feel its moisture underfoot, is already to know it in a way that no cartographic representation can fully capture.
Hodžić, Dženeta. 2026. Unruly Undergrounds. Towards a Political Geomorphology of Groundwater in Post-Yugoslav Karst Landscapes. Dissertation. Goethe Universität Frankfurt