Im Fluss sein, 20.06-26.07.26, Galerie Altes Rathaus Musberg
Queissner, Wagner, Weiß, Im Fluss sein (Installationsdetail), 2026. Foto: Linda Weiß
Im Fluss sein
Audiovisuelle Installation, 2026
von Nina M. W. Queissner, Jochen Wagner & Linda Weiß
20. Juni – 26. Juli 2026
Galerie Altes Rathaus Musberg, Leinfelden-Echterdingen
Eröffnung am Samstag, 20. Juni, ab 17.00 Uhr
mit einer Einleitung von Ioanna Valavanis und anschließendem Künstler*innengespräch
Hörspaziergang: Ökologie für die Ohren
mit Nina M. W. Queissner, 25. Juli, 18.15 bis 19.45 Uhr
Finissage am Sonntag, 26. Juli, ab 11.15 Uhr
mit Künstler*innengespräch und Ausstellungsrundgang
Zum Reinhören geht es hier lang: Perspektive eines Flusskrebses in der versinkenden Strömung, Nina M. W. Queissner, 2026.
Neben der Installation ist das Magazin Im Fluss sein Teil der Ausstellung. Es enthält Texte von Sonja Borstner (Kuratorin) und Florian D. Schneider (Sozial-Ökologe). Ergänzt werden diese durch Fotografien, Scans und Collagen der Künstler*innen. Hier geht es zur digitalen Version des Magazins.
Vom 20. Juni bis 26. Juli 2026 ist die Ausstellung Im Fluss sein in der Galerie Altes Rathaus Musberg zu sehen. Die Raum-Klang-Installation der Künstler:innen Linda Weiß, Nina M. W. Queissner und Jochen Wagner lädt zum Erkunden der Donau und ihres Versinkens ein. Ausgangspunkt ist die Donauversickerung nahe Immendingen zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb. Von hier aus folgen Weiß, Wagner und Queissner den Wassergeschichten rund um die Donau: Zunächst laufen sie vom trocken liegenden Flussbett hinein in ihr kühl fließendes Wasser, weiter in die Tiefe der Mühlheimer Höhle, die vor Urzeiten Wasser zur Donau brachte. Verbundenheit entsteht durch das poröse Karstgestein, dass die Ober- und Unterwelt gestaltet.
Während der performativen Aktion sammelt das Trio mit Hydrophonen und an den Fußgelenken befestigten Unterwasserkameras Bewegung und Klang auf. Diese Ein- und Abdrücke des gemeinsamen Gehens sind Teil der ausgestellten Raum-Klang-Installation: Fließende und versiegende Wassermassen in Sound und Bewegtbild werden auf Häute aus Bioplastik, hergestellt mit Wasser und Flussbett der Donau, projiziert. Eine Seegras-Landschaft lädt zum Sitzen und Verweilen ein. Die Videoaufnahmen aus der Fußperspektive entziehen sich der alltäglichen Wahrnehmung und öffnen einen ungewohnten Blickwinkel auf Körperlichkeit im Wasser. Die Klangkomposition, die den Galerieraum schwemmt, verdichtet Erinnerungen und Eindrücke der Expeditionen zur Donauversickerung sowie in die Tropfsteinhöhlen. Vor Ort entstandene Tonaufnahmen verbinden sich mit Spoken Word, subjektiven Erinnerungen und Reflexionen über die gemeinsame sinnliche wie intellektuelle Erfahrung dieser eigentümlichen Landschaften:
Das Versickern der Donau ist nicht ihr Verschwinden, sondern eine andere Form der Präsenz. Die Artikulation des Wassers, oberirdisch wie unterirdisch, die Bewegungen und Übergänge entziehen sich einer klaren Trennung.
Fotografisch wirkende Momentaufnahmen erweitern die Installation. Mit einem Scanner abgenommene Oberflächen der Karsthöhle werden zu Artefakten. In mehrwöchig installierten Lochkameras bilden sich Licht, Feuchtigkeit und atmosphärische Einflüsse entlang der Donauversickerung ab.
Die entstandenen Bilder tragen Spuren eines Ortes, an dem Sichtbares und Unsichtbares, Oberfläche und Untergrund ineinander übergehen.
In der Ausstellung werden Offenheit und Porosität zur Voraussetzung geteilter Erfahrung. Die Donauversickerung erscheint dabei zugleich als wissenschaftlicher wie metaphorischer Ort ökologischer und atmosphärischer Verwobenheit:
Ein Geflecht aus Wasserströmen, Stoffen und Beziehungen, das größere Zusammenhänge sichtbar werden lässt und zur Reflexion über Formen gegenseitiger Abhängigkeit anregt. Im Fluss sein ist eine Suche in den Poren des Karstes nach Schutz- und Ruhezonen für ein mehr-als-menschliches Miteinander in den sich verschließenden Räumen der Gegenwart.
Design: Trang Nguyen
Die Ausstellung ist gefördert von der Firma MHZ Hachtel GmbH & Co. KG sowie der Stadt Leinfelden-Echterdingen.
Herzlicher Dank gilt auch der Bürgerstiftung Leinfelden-Echterdingen, Dženeta Hodžić (ISOE, Frankfurt), Achim Lehmkuhl (Paläontologie, Naturkundemuseum Stuttgart), Gerhard Messmer (Donaueschingen), nowwork GbR, OG Mühlheim des Schwäbischen Albvereins Heuberg-Baar-Gau, ON FAB LAB, Plattsalat West e. V., Ioanna Valavanis (Kuratorin)